nachtplan   - Nr. 77 -    



Dem hier vor längerer Zeit vorgestellten Act `Without You, I'm Hunting Them´ sehr ähnlich, beweist auch der Amerikaner Gabriel Kreps mit seinem elektronischen Projekt Aurantium echten Geschmack für spannende cinematische Strukturen. Gerade hat er seine zweite kleine Sammlung von Electro Ambient Tracks in Form einer digitalen EP im Bandcamp veröffentlicht. Man muss bei der Erwähnung von `Electro Ambient´ nicht gleich `Instrumentalmusik ist langweilig´ denken, denn - Entwarnung - Meditationsmusik ist nicht seine Welt. Der längste Track dauert gerade einmal dreieinhalb Minuten. Aurantium beweist also wie gesagt echtes Talent, Musik zu düsteren Kopffilmen sehr schnell aufzubauen und in die Hirne imaginärer Zuschauer zu implantieren. Hier der Track "Summit" vom aktuellen Release. Der Clip ist zwar animiert, aber welcher Film letztendlich beim Genuss seiner Musik im eigenen Kopf abläuft, kann man erfahren, indem man einfach für eine kurze Weile die Augen schließt.
/ Weblink: Aurantium

 





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Bleiben wir doch noch kurz bei düsteren Soundscapes. Der Act Monomorte ist für Witch House Verhältnisse nun schon recht lange im Geschäft. Seit Anfang 2013 produziert der Mann aus Liverpool beständig neues Material, womit seine Veröffentlichungsliste inzwischen ganz ordentlich ausschaut. Musikalisch nähert er sich nicht - wie viele seiner Genrekollegen - immer näher einem schrillen Düsterrave, sondern widmet sich mit seinen jüngeren Veröffentlichungen einer elektronischen Form von Shoegaze. Doomartige, schleppende Soundnebelbänke plus Gesang bilden das neuere Klangzentrum. Schon irgendwo Dark Electro, aber vom Rhythmus her anders. Wenn man mit Gewalt Vergleiche schaffen müsste, täte ich am ehesten die Kanadier Numb zu ihrer Frühneunziger Phase nennen. Dass deren Slo-Mo Song "Shithammer" mal für Jahrzehnte voller Düsterclubtanzflächen sorgen könnte, hätte in den 80ern auch kaum jemand gedacht.
Damit es nicht zu zäh wird, steigert Monomorte aber den Beatzähler auch schon einmal auf EBM Werte, wie hier in "My Mirrors Are Black". Zugegeben, nicht sein bester Track, weil das Psy Trance Rhythmus - Arrangement ("Die Kavallerie kommt im Galopp geritten") klingt nach spätestens 90 Sekunden bereits sehr vertraut und vielleicht sogar allzu bekannt. Der Videoclip mit viel Dario Argento Horror bringt dann aber dennoch die vermisste Abwechselung hinein. Daher, hier Monomorte mit "My Mirrors Are Black.."
/ Weblink: Monomorte




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Dark Places Kult aus Göteborg geben Gas. Zumindest ist der Temporegler ihrer Drum-Maschine eher rechtsgedreht und endlich haben sie auch eine erste Veröffentlichung im Bandcamp angelegt. Ihr Post Punk Sound schwankt zwischen ursprünglichen und rohen ersten Lo-Fi Alien Sex Fiend Demos und gitarrigen Echowänden, wie wir sie heutzutage von The Soft Moon kennen. Ähnlich wie bei Letzteren ist der Gesang nicht wirklich Gesang, sondern eher die Stimme der Verzweiflung. Das sollte jetzt gar keine Anspielung auf eine Qualität sein. Eher dachte ich mir beim Hören des Songs "P.P.", dass der Mann, nachdem er die Gesangsspur im Kasten hatte, wohl erst einmal eine Runde um den Block drehen musste um wieder runterzukommen und Ruhe zu finden.
Bisher war die 2014 gegründete Band nur auf Samplern vertreten. Mit dem 4-Tracker "Enemy" gibt es nun das erste ganz eigene Ding, wenn auch erst einmal nur in digitaler Form. Obwohl ich Neugier auf den Gesang weckte, habe ich hier zur Probe den Instrumentaltitel der EP ausgewählt. Er ist halt etwas leichter zu hören und heißt "Still Waiting". Eine recht ungewöhnliche Nummer - gäbe es die Musikrichtung `Dark Surf´, dann wäre dieser Track ein gutes Beispiel für ein solches Genre.
/ WeblinkDark Places Kult

 




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Mit dem Electropop und Synthie-Pop ist das ja so eine Sache. Weil man in den 80ern in den Düsterclubs auch wavig-elektronische Popmusik zu hören bekam, ist es auch heute noch leicht, entsprechendes Material an die düsterromantische Fraktion zu bringen, ohne dass diese groß Fragen stellt. Pressetexte bergen gerne viel gezieltes Gerede von wegen "tiefgründig", "nachdenklich" und "intelligent". Sehen wir es doch einmal ganz nüchtern: In den Texten von Popmusik geht es um Liebe und Reflektionen von Situationen. Mag man Synthie-Pop, dann doch erst einmal nicht, weil dort so interessante Geschichten gesungen werden, sondern wegen knackigen und mitreißenden Melodien. Wenn diese packen oder sogar zum Wippen animieren, sind das die guten Songs und fertig ist der Tanzhit, der Ohrwurm oder im Idealfall gleich beides. Und für einen möglichen Einsatz in schwarzen Clubs gilt: Eine düstere Keyboardlinie sagt mehr als tausend traurige Worte. Da kommt mir gerade der Gedanke, eine Studie, wie viele Leute beim Tanzen auf Texte achten, fände ich gar nicht mal so uninteressant.
La Main ist das Synthie-Pop Projekt des Franzosen Joann Guyonnet. Sein erstes Album "Ton Nom" erschien 2012 in Eigenregie und nun gibt es über das Label Stellar Kinematics den zweiten Longplayer "Nous Ne Serons Plus Rien". Von Beziehungsdramen hat auch La Main viel zu berichten, doch er hält auch die besagten, griffigen Melodien dazu parat. Ein Großteil davon dann auch inklusive düsterer Keyboardlinie, ohne die er hier ja gar nicht erst gelandet wäre. Die Produktion ist etwas schmaler, manchmal hart an der Grenze zur Minimalelektronik, aber nie ganz flach. Von Track 9 bis 11 wird es etwas sehr poppig. Das kann man am Ende aber als kurzen sonnigen Ausflug werten, denn - spoiler - Track 12 "Une Promesse Non Tenue" gleicht das tatsächlich mit enorm viel Dunkelheit und Kälte noch einmal aus, womit das Album rund bleibt. Wenn man sich zu süßen bis bittersüßen Melodien fallen lassen oder auflockern möchte und einem die Stimme des Sängers angenehm ist, könnte diese CD also eine passende Wahl sein. Drehen wir den Pressetextspieß doch einmal um und nehmen einen Begriff aus der Schlagerwelt, mit dem man gar nicht für Verkäufe an das Nachtvolk punkten kann: "Das Album ist angenehm beschwingend". Ich finde das gar nicht so negativ, denn auch die schwärzeste Seele will ja irgendwann auch einmal etwas entspannen. Hier aber endlich auch ein Beispielsong von La Main und der heißt "Until The Dawn".
/ Weblink: La Main






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Im letzten Blogpost ging es an dieser Stelle um Joséphine aus Frankreich. Wir bleiben im Land und widmen uns kurz der Musik einer anderen jungen Dame. Permanent Wave nennt sich das neue Projekt der in London lebenden, französischen Künstlerin Justine. Sie trat bereits mehrfach als Gastsängerin in Erscheinung, unter anderem für die Bands Heretic und Mode In Gliany. Permanent Wave betreibt sie im Duo mit Neil Parnell vom Projekt Tronik Youth. Während sie gerade als Justine auf dem "Female Waves" Sampler des deutschen Labels `Emerald and Doreen Recordings´ einen Song veröffentlichte, brachte das Londoner Label `Nein Records´ auch die erste Single von Permanent Wave heraus. Bei der Single A-Seite handelt es sich um die Coverversion eines Iggy Pop Songs. Dieser wurde in einen Clubtrack mit Italo-Disco Retroflair verwandelt. Schon eine interessante Interpretation, dennoch widmen wir uns hier der B-Seite "Noir Obscure", die atmosphärischer daherkommt. Geht wegen zahlreicher Breaks nicht ganz so schnell ins Ohr, aber wenn man Düsterklänge gewohnt ist, klingt es durchaus poppig. Gesamt gesehen, Cold Wave und Minimalelektronik wie wir sie kennen und lieben.
/ Weblink: Permanent Wave
 






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Es gibt Sachen, die liegen so hartnäckig in einem toten Winkel, dass man sich neugierig akrobatisch verrenken kann und dennoch nichts zu Gesicht bekommt. So ist es zum Beispiel trotz Internet mit dem Projekt Kill Me Laser aus Belgrad. Es gibt die Band seit 2011, sie hat bereits auf Festivals live gespielt, müsste also Material parat haben, aber außer drei Songs ist im Web nichts zu finden oder zu kaufen. Die Songs tauchten mit Abständen von je eineinhalb Jahren auf, es handelt sich also nicht um eine Band die mal ein Paar Demos machte und sich dann wieder auflöste. Sie sind aktiv, man hört oder sieht sie aber so gut wie nie. `Gut´ ist das Stichwort, denn alle drei Songs sind das auf individuelle Art. "Blood" ist eine gelungene Mixtur von Post Punk und temporeichem Alternative Rock. "Gavran" wartet mit elektronischem Grundgerüst auf und ist dabei tieffinster. "Saras" ist eine Verschmelzung von beidem und erinnert an Joy Division zu Zeiten als sie noch rauer und unter dem Namen `Warsaw´ musizierten. Das war es dann leider schon, auch wenn man gerne mehr erfahren und hören möchte. Vielleicht gibt es ja auch wirklich nicht mehr Material und die Band spielte auf den Festivals lediglich 20 Minuten, wie es The Jesus & Mary Chain zu ihren Anfangszeiten taten. Eines ist jedenfalls klar, der Act komponiert nicht um gefeierter Popstar zu werden, was ihn in einer alternativen Musikszene damit angenehm authentisch macht. Echter Underground. Hier als Kostprobe der Titel "Gavran". Falls Kill Me Laser mal auf einem Festival in der Nähe spielen sollten, werde ich hingehen. Ich bleibe neugierig auf ein vielleicht ganzes Set an bisher vorenthaltenen Songs ähnlichen Kalibers.
/ Weblink: Kill Me Laser
 





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Haze The Devil ist das Seitenprojekt von Eldritch T-challa, (auch bekannt als Graverson X und HaZe) und Jacob Aaron, dem Sänger der Band Nocturnal House. Zwischen Dark Electro und Tribal Electro Ambient bewegen sich ihre Songs. Sie selbst nennen das Ergebnis Dark Psi-Tek.
Basiselektroniker, die generell die Finger von Witch House lassen und denen bereits eher konservativ gehaltene elektronische Acts wie ∆Aimon und V▲LH▲LL zu exotisch klingen, sollten es mal mit Haze The Devil versuchen - könnte klappen und der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden.
Von dem kanadisch-amerikanischen Duo gibt es bisher zwei Singles im Bandcamp und ein erster Longplayer ist gerade in Arbeit. Im Clip zu ihrer zweiten Single "Genetic Homicide" wird veranschaulicht, wie krank ("Born bad / Dog-eat-dog") die Menschheit doch leider ist. Wirklich nicht schön, sich das zur Unterhaltung erneut vor Augen zu führen, aber der Clip passt zur Musik, die ähnlich aufgewühlt und friedlos daherkommt.
/ Weblink: Haze The Devil


 




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Warum über den Clip ärgern, man kann sich der Sache zum Kontrast auch einmal künstlerisch nähern. So wie Wendy Islands im Video zu ihrem Song "I Want". Musikalisch gelangen wir damit allerdings in ganz andere Gefilde: Art Pop und Dreampop heißen die Schubladen. Wendy Islands ist ein Ableger des Minimal-Acts Prince Beast. Beide Projekte veröffentlichen auf Crab Skin Records. Wendy Islands erstes Minialbum trägt schön passend den Titel "Island Views". Darauf sind auch düster-minimalelektronische, wavige Tracks zu finden, wie man sie von Prince Beast bereits kennt und mag. Während die Sängerin der Wendy Islands in Minneapolis lebt, hat der Mann hinter den Tasten und hinter Prince Beast seinen Wohnsitz im malerischen Florenz. Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Die gemeinsamen Songs sprechen eh für sich und musikalische Querverweise und Vergleiche täten jeden Rahmen sprengen.
/ Weblink 1: Wendy Islands  
/ Weblink 2: Prince Beast  





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Art Pop - Anregungen bringe ich ja hier des Öfteren, wie auch gerade eben. Aber mit den richtig strangen Sachen halte ich mich dann doch meist lieber zurück. Coco Carbomb war da vor längerer Zeit einmal eine Ausnahme. Nun kamen die Franzosen von Traînée und damit ist sie da, die erneute Ausnahme. Es handelt sich dabei um zwei Leute aus Lyon and Saint-Etienne mit ähnlich schrillen, aber enorm sympathisch-verrückten Sounds.
Ich habe im Laufe der Jahre gefühlt fünfzig verschiedene Coverversionen des Minmalelektronik-Klassikers "Warm Leatherette" gehört, aber was Traînée mit ihrer Adaption "Simili cuire brûlant" abliefen ist neu, wirklich neu. Widmet man sich dann den weiteren, ersten Demos der Band, kommt es sogar noch besser. Zu finden ist unter anderem waviger Funk Dancesound wie man ihn aus den poppigeren SPK Phasen und von Shriekback kannte. Falls jemand David Van Tieghem kennt und mag, auf keinen Fall den Track "De là-haut" verpassen!
Weitermachen. Mehr Tracks bitte und dann ein Album und das unbedingt als Platte, weil solcher Sound verdient Vinyl. Zu kaufen gibt es also von Traînée leider noch nichts, zu hören hier aber die besagte "Warm Leatherette" Coverversion, die spätestens in der zweiten Hälfte sehr eigen geriet, was bei einem beinahe totgespielten Song fast an Kunst grenzt.
/ Weblink: Traînée





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Der verstörende Track zum Finale. Hypnotischer Düstertechno von der `Society for New Testament Studies´, kurz SNTS. "Oblivion" heißt der Klangausflug, dessen Fahrplan Polar Inertia noch etwas genauer abstimmte. Seit 2012 veröffentlichte das deutsche Projekt SNTS bereits knapp 10 Maxis, das erste Album erschien dann aber erst Ende 2015 und heißt "The Rustling Of The Leaves". Polar Inertia hat seinen Sitz in Paris und beide Projekte verbindet die Leidenschaft für minimal gehaltene, aber dennoch kontrastreiche Soundlandschaften zu monoton treibenden Technobeats. So etwas funktioniert nur (sehr) laut und man muss ganz an den Fahrer übergeben und sich fallen lassen. Wer einen kleinen Düstertrip mag, bitte jetzt zusteigen.
/ Weblink SNTS 
 





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