nachtplan   - Nr. 76 -    



In Berlin gibt es eine Punkband namens Dulac und das ist auch gut so. Noch besser gefällt mir aber die Band Dulac aus dem französischen Ort Rennes. Die heißt nicht nur so, sondern macht auch noch Cold Wave, nein, sie kann Cold Wave. Ganz wie zu Urzeiten, als dieser Stil erfunden wurde und man noch mittels französischer Sprache die Lage erörterte. Und während ihr Frontmann genau das praktiziert, ist es ein zusätzlicher Genuss, wie der Gitarrist seine Effektpedale justiert hat und wie druckvoll die Rhythmusabteilung dazu das Tempo antreibt. 
Das 2013er Debütalbum von Dulac, das als CD-R erschien, ist gar nicht mehr so einfach zu bekommen, aber zumindest ein neues Set aus sechs aktuellen Songs kann man nun in digitaler Form hören und kaufen (Link unter dem Text). Hier daraus der Titel "Impasse".
/ Weblink: Dulac
 



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] interstice [ aus Athen ist das rein elektronische Einmannunternehmen von Glen Tartaglia. Bisher hat er in Eigenregie ein Album und eine EP veröffentlicht. Die 2015er EP geriet dabei leider etwas unspannend und gelangt erst gegen Ende in die gewohnte Klangtiefe. Soundtrackartige, eher seichte Electro-Ambient Tracks gibt es auf dem Album zwar auch, aber sie fallen nie so stark ins Gewicht, da sie ständig mit Titeln die Sprachsamples und Gesang enthalten aufgelockert werden. Okay, eine Nummer wie "_negation" ist und bleibt ein wenig dünn und klingt streckenweise wie "Gemafreie Musik für eine TV-Doku über Windsurfen". Wäre doch nur "Vacuous" von der EP statt "_negation" auf dem Album. Aber, egal, eine folgende Nummer wie "Raze" schafft es trotzdem alles wieder auszugleichen. Der Song ist feinster, komplexer Dark Electro, wie man ihn sonst nur noch von wenigen fachkundigen Labels wie EAR (Electro Aggression Records), Auricle Media und Aliens Production kennt.
Wer mit der Hörprobe auf den Geschmack kommt, dem sei auch der ]interstice[ Remix des aktuellen Mirum Mulier Titels "Like You" ans Herz zu legen, der ebenfalls sehr opulent und dicht ausfiel. Aber hier erst einmal "Raze".
/ Weblink: interstice




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The Moth Gatherer ist eine schwedische Doom Band. Eigentlich heißt es ja Doom Metal, aber so schleppend und pumpend, wie das miitlerweile zum Trio gewachsene Duo den Vorabtrack des neuen Albums gestaltet hat, erinnert mich das Resultat beinahe an Trip Hop - tief düsteren Trip Hop, mit fetten, dröhnenden Gitarrenriffs versetzt. Kann sich noch jemand an die tolle Sepultura Coverversion des Massive Attack Songs “Angel“ erinnern? Die kam mir beim Hören wieder in den Sinn.
"A Bright Celestial Light", hieß das Debütalbum von The Moth Gatherer im Jahr 2013. Mit Hilfe etlicher Gastmusiker wurde ihr zweiter und anscheinend noch gelungener Streich gerade vollendet. "The Earth Is The Sky", wird der Longplayer heißen und ab dem 27. November sowohl als CD als auch als farbiges Vinyl erhältlich sein. Das Metal Label Agonia Records mit Sitz in Polen zeichnet sich erneut für die Veröffentlichung verantwortlich. Gerne erreichen die The Moth Gatherer Songs - oder nennen wir es besser Klangbauwerke - die 8-Minuten-Marke, so auch hier beim besagten Vorabtrack namens "Pale Explosions". Gast dabei ist Thomas Jäger von der Band Monolord als zweiter Sänger. Wirklich eindrucksvoll, was man in 8 Minuten so alles aufbauen und auch gleich wieder packend abreißen kann. Dramaturgie vom Feinsten und Finstersten.
/ WeblinkThe Moth Gatherer

 




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Musikkassetten sind wieder schwer im Kommen. Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob sie wirklich abgespielt werden oder man nur gern zusätzlich, zu den mitgelieferten mp3-Files, etwas echtes und greifbares für sein Geld bekommen möchte. Fakt ist jedenfalls, dass man sie bei eventuellem Geschmackswechsel wieder verkaufen kann, wogegen einem, bei den teuer bezahlten mp3-Dateien, am Ende nur ein beinahe dekadentes Verschieben in den Datenpapierkorb bleibt. Manche Kassetten entpuppen sich sogar ganz nebenbei als Mini-Kapitalanlage, da sie plötzlich in Sammlerkreisen gehandelt werden. So geschehen, mit der ersten Veröffentlichung des jungen, amerikanischen Duos Boy Harsher. Zunächst wurde eine CD-R mit 6 Titeln unter dem Titel "Lesser Man" von der Gruppe selbst bei Livekonzerten verkauft. Diese EP wurde anschließend von gleich zwei Kassettenlabels (Soft Science und Nite People) hintereinander, in limitierter Auflage wiederveröffentlicht. Dem nicht genug, werden Mitte November vier Songs daraus auf einer, erneut limitierten 12" Vinyl Platte herausgebracht. Klingt nach einer Entwicklung über lange Jahre, aber alles geschah innerhalb von nur 12 Monaten. Die besagten ersten CD-Rs wurden zur Wintertour 2014/15 gebrannt.
Noch etwas Info zur Band im Schnelldurchlauf: Das Duo lebt in Northampton, Massachusetts, die Sängerin heißt Jae Matthews und der Mann hinter den Tasten ist Augustus Muller. Sie musizierten seit 2013 als Teen Dreamz und nannten sich Mitte 2014 in Boy Harsher um. Ihre Leidenschaft gilt düster angehauchten, treibenden Synth-Sounds, irgendwo zwischen Minimal und EBM. Die Tapes sind wie gesagt bereits lange vergriffen und die 12" wird am 15. November beim spanischen Label Oráculo Records erscheinen. Hier “Pain“, der Titeltrack der Vinylausgabe.
/ Weblink: Boy Harsher







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Hinter dem Projekt Leitmotiv Rainbow steht die junge französische Künstlerin Joséphine. Ihre fast durchweg instrumentale Musik weckt schnell Erinnerungen an die ehemalige britische Avantgarde Band Coil. Mit Samples, Synthesizer und Tape-Loops malte jener Act stilvoll düstere und psychedelische Klanglandschaften. Die Verschmelzung von Noise, Industrial und Neoklassik war damals bahnbrechend und Coil werden noch heute zu Recht als Kult gehandelt. Wenn man sich einmal mit ihrer Musik beschäftigt hat, kehren bei Leitmotiv Rainbow nun also einige liebgewonnene typische Coil-Klänge in neuen Verbindungen und moderneren Konstruktionen wieder. Eine junge Dame wie Joséphine greift dazu, statt einem früher üblichen Arsenal von Kassettendecks, auf handlicheres Instrumentarium zurück. Aber das kann egal sein, denn selbst wenn ihre Loops nun einem Smartphone entspringen sollten, zählt doch die Idee und was am Ende dabei herauskommt. Für eine Albumveröffentlichung reicht das bisherige Material noch nicht aus. Wenn sie genug gesammelt hat, hoffe ich auf eine gepresste Werkschau in einer stilecht künstlerischen Verpackung. Vielleicht lässt sich dies ja durch mehr Hörer leichter realisieren. Und deswegen hier der Titel "The Heart Ashes". Zu ihrem aktuelleren Track "Until The Rainbow Has None Colors" gibt es leider noch keinen Clip. Er ist aber in ihrem Soundcloudkanal (Link unter dem Text) zu hören.
/ Weblink: Leitmotiv Rainbow






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DFHK steht für Decay Force Hong Kong und das Trio macht Electropop. Riecht nach Marketing, aber sie leben anscheinend wirklich in Kowloon und das liegt laut Wiki bei Hong Kong. Zu kaufen gibt es von der Band bisher noch nichts. Ich merke sie hier dennoch bereits vor, da DFHK sehr eigenständig klingt. Allerdings kein bisschen exotisch, wie man bei der Herkunft annehmen könnte. Sie erinnern sogar ein wenig an europäischen Technotrance der 90er. Jet Dongguo programmiert die Elektronik, Zhang Yi knallt noch einen knackig brummigen Post Punk Bass (Ja, auch schon mal ganz Marke Peter Hook) darüber und Nicolas Wong singt dazu. Das hier folgende "Is It A Drug?" ist dennoch nicht einfach zu hören. Nicht etwa, weil es zu kompliziert oder schräg klänge. Es braucht aber die komplette Länge um zu funktionieren. Jedes kurze Hörprobensegment daraus wäre pure Langeweile. Die Steigerung und Leidenschaft kommt nur durch die Intensität des Gesanges zustande, die Musik ändert sich nicht groß. Also ähnlich einem Beschwörungsritual, dessen monotone Wiederholungen immer inbrünstiger werden. Kennt noch jemand den Post Punk Song "Agent Orange" von Ski Patrol? Der funktionierte ganz ähnlich. Also bitte entweder einfach überspringen oder dreieinhalb Minuten Zeit nehmen und den Track einmal in voller Länge wirken lassen.
/ Weblink: DFHK
 





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Adan, bürgerlich Pedro Peñas y Robles, ist ein spanischer EBM und Industrial DJ, der auch mit seinen Musikprojekten HIV+ und Fluxus positiv in Erscheinung trat. Während HIV+ seit 2001 kontinuierlich Industrialtöne veröffentlicht, widmet sich Fluxus abstraktem Minimaltechno, der mit düsteren Klangflächen und Gesang angereichert wurde. Gemeinsam mit Michel Lecamp (Ilse), dem ehemaligen Mitglied der französischen Cold Wave Legende Norma Loy, der hier bereits mit seinem Projekt Black Egg vorgestellt wurde, ist er auch als Adan & Ilse aktiv. Man blickt bei den vielen Künstlernamen der Beiden nicht mehr wirklich leicht durch. So ist das "Wide Lights From Hatred Springs" Album, das 2012 von `Ushersan & HIV+´ erschien, eigentlich nur Adan & Ilse anders herum, also bei "übersetzten" Künstlernamen `Ilse & Adan´.
Von Adan & Ilse selbst, gibt es bereits drei Longplayer und etliche Singles. Album Nummer 4 wird im Januar via Unknown Pleasures Records erscheinen und "Chirurgie Plastique" heißen. Der neue Song "What Do You Want?", wurde gerade als Teaser und digitale Vorabsingle ins Rennen geschickt. Als B-Seite gibt es einen Remix des Hits "Red Stars" vom noch aktuellen Album aus dem letzten März . `Relaxten Düsterpop´ möchte ich ihre Mixtur aus Cold Wave, Synthpop und Wave nennen. Wenn man nach "What Do You Want?" auf das kommende Album schließt, kommt nun auch noch ein wenig von Fluxus dazu. Ich zumindest höre im Grundgerüst hypnotischen Minimaltechno heraus. Aber macht euch selbst ein Bild, hier der Song als Clip.
/ Weblink: Adan & Ilse




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Kommen wir - wie bereits bei Dulac - noch einmal zu den mehrfach belegten Künstlernamen. Flesh heißt ein französisches Projekt, das nervös quietschende, hoch komprimierte Chiptunesounds mit kräftig Bassboost hervorbringt. Da knattern und vibrieren die Gehäuse von Desktop Lautsprechern aus Plastik ordentlich. Wer gerade nicht auf schrille Party aus ist und lieber in die Tiefe lauscht, dem sei ein anderer Act namens Flesh ans Herz gelegt. Dieser sitzt in Hamburg und gehört zu den noch wenigen, wirklich erntzunehmenden deutschen Vertretern des Genres Witch House. Ravig wird es bei Flesh seltener, düsterer Trip Hop behält die Oberhand. Witch House `Made in Germany´ täte ich nicht einfach als Mode-Ding abtun. Wer es dunkel experimentell mag, sollte sich ruhig einmal in diese Musikrichtung vorwagen, an der sich nun auch vermehrt Musiker aus deutschen Landen versuchen. Nachdem Flesh aus der Hansestadt 2014 bereits die Witch House Spezialisten bei Soundcloud in Entzückung versetzten, haben sie in diesem Jahr gleich zwei Alben und zwei EPs im Bandcamp veröffentlicht. Hier ein eher nicht so repräsentativer Titel. "Heresy" ist einer ihrer wenigen Tracks, der auch einmal ein paar Ravesounds enthält. Flesh klingen sonst weit düsterer, sind aber leider auf Youtube nicht so verbreitet wie ihre französischen Namensvettern.
/ Weblink: Flesh  





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Der etwas "kaputtere" Clip zum Schluss. In den letzten Blogeinträgen ging es bei ihm in erster Linie um etwas radikalere Musik. Diesmal das Finale wieder mit mehr Beachtung auf den Videoclip selbst. Der benötigt zwar keine Epilepsiewarnung, psychedelisch ist er aber schon und im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön "gestört". Musikalisch ein treibender, noisiger Synthwave Track, der mindestens zum Lockermachen auf den entsprechend speziellen Tanzflächen eine gute Wahl wäre. Der Act Wolf Shield stammt aus Australien und dem Umfeld des bereits einmal vorgestellten Projektes Multiple Man. Bisher gibt es noch keinen eigenen Tonträger von Wolf Shield, aber einige Tracks wurden bereits auf Compilationalben veröffentlicht. So auch der Song um den es hier geht und der heißt "No More".
/ Weblink Wolf Shield 
 




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