nachtplan   - Nr. 73 -    


The Rattler Proxy aus Athen existieren seit bereits vier Jahren. Nach einer ersten Digital EP in 2012 legte das Duo im letzten Jahr dann endlich auch zwei echte Vinyl 12"s vor, die in Post Punk und Darkwave Kennerkreisen sofort zündeten. "Death Machine" und "Mr. Sham" hießen die jeweiligen Hits dieser limitierten Singles. Nun ist ein Album in Arbeit und man hat den "Mr. Sham" mittels eines frischen Clips noch einmal wiederbelebt, um die Wartezeit zu überbrücken. Um welche Musik geht es genau? Klassische Düsterclubmusik, wie man sie bereits vom Sehen her mit sehr viel Nebel kennt. Erinnert an Suicide und Alien Sex Fiend. Sehr rockig, aber eher lässiger Rockabilly als Rocksongs. Stets mit elektronischer Grundlage und immer hypnotisch groovig nach vorne, ohne große Geschichten erzählen zu wollen oder zu müssen. Das griechische Label Lurid Music wird das Album im Herbst bringen. Hier vorerst also noch einmal einer ihrer Undergroundhits aus dem letzten Jahr, "Mr. Sham".
/ Weblink: The Rattler Proxy
 

 




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Die musikalischen Wurzeln des Briten Jake Lee liegen im Darkwave. Er selbst widmet sich aber der rein elektronischen Musik und ist seit bereits drei Jahren im Bereich Witch House als Sidewalks And Skeletons aktiv. Spätestens auf seinem aktuellen und fünften Album "White Light" schillern seine Wurzeln durch. Um etwas Abwechslung in ihre Veröffentlichungen zu bekommen, besinnen sich die amerikanischen Witch House Acts gerne einmal auf Hip Hop Grooves und die osteuropäischen Vertreter bringen gerne mal extrem schrille Ravesounds zum Einsatz. Die wuchtig melodramatischen Synthchöre von Sidewalks And Skeletons sind im Grunde auch Ravesounds, aber Jake kombiniert sie düsterer und bringt nun auch weibliche Vocals zum Einsatz. Die Grenzen zum dunklen Dreampop oder Trip Hop werden dadurch an manchen Stellen fließend und man kommt damit dem Darkwave schon sehr nahe. Ausnahmen bestätigen die Regel und gerade beim Titel "Goth" geht es dann auch mal poppig flott zur Sache. "Blood" enthält kurze Hardcore-Techno Einlagen und "xxx" birgt sogar einen kurzen Ausflug in Black Metal Gefilde. Nach 80 Sekunden Gedresche werden aber sogleich wieder zähe und trotzdem wohlklingende Düsterrave-Chöre aufgeschichtet. Das letzte Album erschien noch in einer Kombination aus CD-R plus Musikkassette. "White Light" ist - zumindest bisher - leider nur als Digitaldownload erhältlich. Im Bandcamp ist es als `schlag einen Preis vor´ - Angebot zu finden (Link unter dem Text). Hier als kleiner Appetithappen und einmal mit männlichem `Gesang´ der Titel "Unearth".




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Nähern wir uns aus geschichtlichen Gründen ausnahmsweise doch einmal kurz dem Mainstream. Sehr vielen Leuten geht das ganze 80er Pop Revival langsam ziemlich auf die Nerven. Sollte denn das, mit dem man in den 90ern und 00ern aufwuchs so schlecht gewesen sein, dass es nicht auch mal ein Revival wert ist? Waren oder sind denn Guru Josh, Dr. Alban, die Rednex und Vengaboys etwa weniger wert als Billy Idol, die Simple Minds, OMD oder The Human League? Wie sage ich jetzt den Kindern und Jugendlichen der 90er diplomatisch? Es gibt Partymusik und es gibt Musik. Man kann nackt und johlend auf dem Tisch tanzen und man kann beschwingt und verträumt tanzen. Welchen Tanzstil wird man mit dreißig oder mehr eigenen Lebensjahren wohl lieber noch einmal wiederholen wollen?
Okay, die Auswahl der Acts war etwas ungerecht und es gab in den 80ern auch den eher preiswerten Pop. Harold Faltermeyer, Giorgio Moroder, Jan Hammer und wie sie alle hießen. Diese lieferten zwar den typischen Hitsound der für die 80er steht, bewegten sich aber in sehr weichem Mainstream, gefährlich am Rande von Kitsch. Beinahe erschreckend, wenn man dann Jahrzehnte später bemerkt, dass selbst in einem damals gehassten, kitschigem Miami Vice "Crockett's Theme" doch mehr Seele und Leidenschaft steckt, als in reihenweise aktuellen Popproduktionen.
Telefuture ist eines der mittlerweile zahlreichen Label, die diese schlichten, aber sehr typischen Popsynth Wavesounds der 80er wiederbelebt. Das Projekt Makeup and Vanity Set aus Nashville hat mit seinem siebten Album, "Wilderness" gerade das neueste Release dieses Labels vorgelegt. Hier daraus als Kostprobe - zwar nur im Standbild aber dafür vom Titel her bestens passend - ihr Song "Remember".







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Jordan Lieb lebt in Brooklyn und wenn man ihn überhaupt kennt, dann als Deep House Act namens Black Light Smoke. Der Mann hat aber auch eine Post Punk und Darkwave Ader, die er bisher noch eher im Verborgenen betreibt. Ein paar erste Demos sind aber bereits aufgetaucht. Am Gesang muss er vielleicht noch ein klein wenig feilen, aber den Geist von Joy Division und die frühen The Cure hat er gut verstanden, soviel ist klar. Girls In China nennt er sein Projekt und hier folgend ist das Demo zum Song "Grey Days" zu hören. Ja, The Cure plus Ennio Morricones "Spiel mir das Lied vom Tod" Referenzen sind darin sehr leicht zu erkennen. Der Ian Curtis Touch im Demo zu "Out Of Touch" ist auch eher offensichtlich. Bei "House In The Sea" wird der Schwierigkeitsgrad dann aber auch mal etwas erhöht.
Gute Gene auf jeden Fall, da könnte und sollte was draus werden. Wir bleiben dran.
/ Weblink: Girls In China
 





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Michaël Fristot aus Paris ist musikalisch als DJ und Produzent unterwegs. MelanoBoy nennt er ein Projekt, das sich speziell seinen Eigenkompositionen widmet. "From Dust" heißt das nun erste Album, das nach zwei selbstveröffentlichten Singles gerade auf dem spanisch-französischen Label Unknown Pleasures Records als CD im Digipak und als Download erschien. Unterstützung erhielt er von HIV+, Usher und anderen, und wie die Gastmusiker vermuten lassen, geht es auf dem Album nun weit düsterer zu, als auf den eher poppig angelegten früheren Singles. Cold Wave und Minimal Synth Sounds stehen nun statt Tanzsounds im Vordergrund und das Album käme nicht über Unknown Pleasures Records heraus, wenn nicht auch Post Punk vertreten wäre. Poppiges oder für Club oder Party gedachtes ist so gut wie gar nicht zu finden, was den Einstieg doch etwas erschwert. "From Dust" ist erst einmal ein ziemlicher Brocken, der zu schade ist, ihn schnell oberflächlich wegzuhören und der gerne auf "Wenn ich mal einen Kopf dafür habe" verschoben wird. Kommt dieser Tag, wird man zur Mitte des dritten Tracks "Sterilize" belohnt und hat die Stimmung gefunden. Einfach zum Beispiel direkt mit Titel 5 "It's Not The End" starten, weil es da relaxter wird, wäre der falsche Weg, weil der Song dann nicht Entspannung, sondern nur eine eher lahme Indiepopnummer wäre. Von Konzeptalbum möchte ich nicht sprechen, weil bei so etwas die Texte wichtig sind, aber bei der musikalischen Reihenfolge der Tracks hat man sich wirklich etwas gedacht: Klasse Spannungsbogen. Entsprechend nicht einfach hier einen Titel zum Hineinhören zu wählen. Ich nehme das bereits erwähnte "Sterilize".
/ Weblink: MelanoBoy






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Elektronisch futuristisch und ein wenig ihren Witch House Wurzeln entwachsen, geben sich die DD Idols (ehemals De▲d Idols) auf ihrem Debütalbum "Hysteria", welches in Kürze auf dem russischen Label `Youth 1984´ erscheinen soll. Gameboy Sounds sind nicht so meine Welt, aber so eingebaut wie hier unten im Song "Lies", kann ich gut mit ihnen leben und der Autotune Effekt, nah am schnöden Popgesang, bringt mich in 4 Minuten auch nicht gleich um. Auf Albumlänge wird es mir dann aber stellenweise `zu bunt´ und ich favorisiere daher eher die Tracks, die weiterhin auf hymnischen Witch House setzen. Aber ich bin nicht alle und man kann das sogar genau anders herum sehen. Und das ist letztendlich das Gute und macht es interessant: Das Album ist auf einem konstant hohen Produktionslevel, wie aus einem Guss, aber dennoch enorm abwechslungsreich. Selbst wenn mal ein "Was zum Himmel soll das denn jetzt?"- Track erklingt, weiß man, dass es gleich auch wieder besser oder zumindest wieder anders werden wird.
Noch ein paar Fakten: De▲d Idols, bzw. nun DD Idols ist das Projekt des Moskauer Musikers Kenny Rave, der bereits seit dem ersten Schwung russischer Witch House Acts im Jahre 2012 dabei ist. Hier von seinem also nun endlich erstem Longplayer der Song "Lies"
/ Weblink: Youth 1984






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Undertheskin geht der Post Punk der gleichnamigen Band aus Polen. Void nennt sich der junge Musiker, der dieses Einmannunternehmen führt. Es scheint, er kennt das Frühwerk von Red Lorry Yellow Lorry und sieht an Porl King (ehemals Miserylab und Rosetta Stone), dass es momentan keiner raffinierten Gitarrenschichtungen und komplexen Arrangements benötigt, um gut zu unterhalten. Wie Porl King aktuell als In Death It Ends, schmeißt er also die Drummaschine an, jammt live etwas darüber und fertig ist der Track. Klingt einfach, aber muss man erst mal können. Wenn man das Feeling dafür nicht besitzt, dann klingt man so echt Rammstein wie Rüdiger Hoffmann, Basta oder Heino es taten. Kurz gesagt, kommt dann eher Muppet Show als ernstzunehmende Musik dabei heraus. Void kann es aber, also jetzt nicht etwa Rammstein, sondern er hat die treibend minimalistische Spielart des Post Punk, wie sie The Sisters Of Mercy mit "Adrenochrome" und Red Lorry Yellow Lorry mit "Generation" einst `erfanden´ im Blut. Und er weiß auch, wie man andere Sachen spannend gestaltet. Seine neueren Demos tauchen bei Soundcloud immer nur kurzzeitig, also angekündigt und für lediglich 24 Stunden hörbar, auf. Wer das dann verschlafen hat, der hat Pech gehabt und muss sich bis zum ersten echten Release von Undertheskin gedulden. Bis dahin ist allein der allererste Demotrack namens "Cold" bei Youtube und im Bandcamp überliefert, der nun hier zu hören ist.
/ Weblink: Undertheskin






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Man fühlt sich schon irgendwo überrumpelt, wenn ein Musikprojekt, das gerade seinen Sound gefunden und sich im Untergrund einen kleinen Namen gemacht hat, plötzlich kurzerhand auflöst. So gerade geschehen mit Aynth. 2012 gegründet und mit krachig technoiden Industrialklängen begonnen, in den Jahren 2013 und 2014 zwei sehr gute melancholisch angehauchte aber schön wuchtig knarzige Electro Ambient Alben abgeliefert und nun in 2015 bereits das Ende verkündet. Was bleibt ist ein Katalog aus 11 Digitalveröffentlichungen (Alben, Singles und EPs), die man im Bandcamp sehr günstig und offiziell erlangen kann (Link unter diesem Text). Die letzte Neuerung im Aynth Sound war der Einbau von shoegazigen Gitarrensounds und flächig soften Dreampop Vocals. Den Portishead Vergleich habe ich nie richtig verstanden, ich täte ihre letzten Veröffentlichungen eher zwischen dem n5MD Act Lights Out Asia und den ruhigeren Tracks des Karloz. M Projektes Manufactura als ähnlich ansiedeln.

Wirklich ein wenig schade finde ich, dass es nun also nie einen echten Tonträger (CD, Vinyl, MC, USB Stick oder was auch immer) von Aynth gegeben hat und ihr Gesamtwerk lediglich irgendwo zwischen, ich weiß nicht wie vielen Millionen Titeln, in den kulturfernen Lagern der iTunes und Spotifys dieser Welt herumdümpelt. Da ich eben noch Karloz. M (Manufactura, Broken Fabiola) ansprach, als Hörprobe hier ein Remix von ihm für Aynth, die im Original aber wie gesagt auch nicht groß anders klingen ... nein ... `klangen´.
/ Weblink: Aynth

 




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Nun bereits zum finalen und damit einem gewohnt etwas strangeren Track: `Camden Town´ ist eine unterirdische Station der London Underground, also eine bekannte Londoner U-Bahn Station im Stadtbezirk London Borough of Camden. Das Duo You The Living gibt Camden Town als Herkunftsort und aktuellen Wohnsitz an. Ich will jetzt nicht mutmaßen, ob die beiden dort ober- oder unterirdisch leben, aber bei der Musik die sie hervorbringen, passen Tunnel und lange Echos von Schienenquietschen an Gleisweichen doch sehr ins Bild und auch an bekannt verhallte Lautsprecherdurchsagen fühle ich mich spontan erinnert. Sehr düsterschwarzen Dreampop lieferten You The Living mit bereits drei Singles und nun ist ein erstes Album in der Mache. Ich nenne ihre Musik einfach mal Dreampop, weil unter ´Shoegaze mit Einflüssen von Drone, Doom Metal und Witch House´, könnte man doch schnell in falsche Richtungen denken. Der Gesang von Natasha Stevens dominiert doch sehr das musikalische Geschehen, welches sie gemeinsam mit Aidan James auftürmt. Sie türmen schon weit mehr als die Cocteau Twins (Shoegaze) es je taten, klingen weit böser als Lycia, aber so ausufernd babylonisch getürmt, wie bei zum Beispiel Nadja (kanadisches Doom Duo) wird es dann nun auch nicht. In der Info-Sektion von You The Living bei Facebook haben die beiden unter `Kurze Beschreibung´ eingegeben `All black, everything´ und .. ja ... passt. Und wenn man sich das dann noch live aus einem dunklen U-Bahn Tunnel schallend vorstellt .. Ich wiederhole mich und versuche ich es lieber noch einmal neu, von vorne und viel kürzer: "Hier einmal You The Living mit ihrem Song `Grief´, vielleicht ´Live aus ihrem U-Bahn Tunnel´" (Ihr könnt euch nun die Einzigen nennen, die diesen Satz verstehen).
/ Weblink You The Living
 




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