Ich zitiere einmal einen früheren Blogeintrag, in dem es um Witch House und das Label Phantasma Disques ging: "Den Veröffentlichungsschwerpunkt bildet dort ein hauseigenes Projekt namens Mater Suspiria Vision, welches eher schwer zugänglichen und sehr experimentellen Stoff zelebriert. Der Act bewegt sich irgendwo zwischen 60er LSD Trip, 70er Giallo Film und 90er Twin Peaks Ästhetik, was man in dieser Kombination bestimmt nicht mal eben nebenbei leicht verdauen kann."
Von Altersmilde kann man nach 5 Jahren des Bestehens dieses Projektes wohl noch nicht sprechen, aber Longplayer 31 ist wirklich beinahe eingängig geraten. Ja, 30 Albumveröffentlichungen in 5 Jahren und Jahr 5 ist noch recht jung. "Antropophagus" heißt das neue Werk und trägt den zusätzlichen Arbeitstitel "A Tribute To Italian Horror Movies". Es wird in blutrotem Vinyl, als Musikkassette, Japan-style CD, sowie in einer speziellen Art-Box mit Postern und weiteren Beilagen für Sammler im März erscheinen.
Diesmal geht es also speziell um den Giallo Film, ist aber dennoch kein stilles, soundtrackartiges Instrumentalalbum geworden. "Antropophagus" bietet den vielleicht schwerelosesten Einstieg in den sehr eigenen Kosmos von Mater Suspiria Vision. Neben Electro Ambient gibt es ´Zombie Rave´-Ausflüge und die üblichen Stimmen mit viel Echo, wie man sie aus Darstellungen von LSD Trips und Albtraumsequenzen in Filmen kennt und von diesem Act gewohnt ist, kommen zum Einsatz.
Kurz: Kann man nur schwer beschreiben, muss man hören und das Hören ist halt diesmal etwas unanstrengender. Und da wir gerade noch von jenen seltsamen Stimmen sprachen, hier passend als Hörprobe der Titel "Voices".
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Eine noch weit drastischere Wandlung vollzogen die Red Traces aus Miami. Vor zwei Jahren starteten sie als Indie-Gitarrenband, schrieben
relaxte Songs, wechselten dann zur Elektronik und ihre nächste EP, die in diesem Jahr bei The Revera Corporation erscheinen soll, weist nun
sogar stellenweise technoide Züge auf. Red Traces bringen treibende, eingängige Elektroniksounds in Tanztempo. Was ist an denen nun besonders? Mich
überzeugte die Tatsache, dass sie zwar dick und theatralisch auftragen, aber nie zum Refrain ein Fass (“und jetzt alle, ...“) oder gar das Schmalzfass
aufmachen. Viele Synth Pop und Futurepop Bands kennen da ja leider kein Erbarmen. Bei den Red Traces wird lässig abgearbeitet
und auf der Straße täte man dazu vielleicht sagen "Fette Sounds, cool durchgezogen". Momentan gibt es vier Tracks dieser geplanten EP in
Einzelform sogar noch als Gratisdownloads zu ergattern (Link unter dem Text). Wirklich schwierig, welchen Titel man nun als Hörbeispiel bringen
soll. Der Mann kann zwar singen, aber hier letztendlich dennoch ein Instrumentaltitel. “Spectre“ heißt der recht lockere Track und klingt vielleicht am
repräsentativsten für den aktuellen Sound der Red Traces, da er genau in der Mitte zwischen Song ("Evenet") und reinem Tanzflächenfutter
("Phantom") liegt.
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Moth nennt sich ein junges Post Punk Trio aus Kopenhagen. Nach zwei 12" Singles in 2012 veröffentlichte es im letzten Jahr sein
Debütalbum "First Second" bei Mass Media Records in Kalifornien. Mit kleiner Verzögerung brachte das schwedische Label Peter Out Records diesen
Longplayer nun endlich auch in Europa heraus. Wie beim Originalrelease, handelt es sich stilecht um eine streng
limitierte Schallplatte. Die amerikanische Version kam im weißen Vinyl und weißen Cover, wogegen die europäische Variante nun komplett in Schwarz angelegt wurde. Ein Downloadcode wird mit dabei sein und wer nur den Download benötigt, wird diesen im Bandcamp nun also an gleich zwei
Stellen leicht finden. Sagenhaft authentisch alte Schule, was die drei Dänen da vorlegen. Man kann frühe The Cure, Joy Division, Chameleons und
andere alte Post Punk und Wave Helden leicht heraushören. Dazu hat es an einigen Ecken auch noch einen Goth Rock Touch, der das Ganze von
normalem Wave in eine noch düstere Ecke bringt. Besser als für dieses Album kann der Begriff Post Punk kaum passen. Hier einmal der Song
''Taste The Remains'' als Beispiel. Von der Instrumentierung her klingt er sehr nach frühen The Cure. Ich höre da aber sogar irgendwo "Raum"
von Grauzone und "Chaos" von Leningrad Sandwich heraus. Also, kein Zweifel mehr, genau so klang das in den 80ern, als so etwas "erfunden" wurde.
/ Weblink: Peter Out Records
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Werkstatt Recordings ist ein in 2009 gegründetes griechisches Label, welches eher durch seine 80er Retro Synth Veröffentlichungen bekannt ist. Zunehmend
tauchen aber auch Vertreter von Minimal Synth und EBM im Labelkatalog auf. Paradox Obscur, Veinhart und Droid Sector Decay seien als
Beispiele genannt. Neu zu den Ausnahmen gesellte sich der Act Geometry Combat, unbekannter Herkunft, mit seinem Debütalbum "Tanz
der Schatten". Neben CD und üblichen Digitaldownload ist das Album auch als Musikkassette erschienen. Beim Hören merkt man schnell, dass dieses Format nicht nur ein Gimmick ist, sondern einfach gut passt. Klingt wie ein frühes Demo Tape von Cat Rapes Dog oder Cassandra Complex.
Irgendwo zwischen schnellem, synthielastigem Darkwave und düsterem EBM und mit 4-Spur Taperecording Hobbyraumcharm. Verrauschte
Matsche ist es natürlich nicht, aber wer auf eher aufgeräumten und aufgepumpten Futurepop steht, könnte ein Problem haben. Wer einfach auf den
originalen Düsterspirit der 80er steht, könnte dagegen echten Spaß finden. Hier zum Hineinhorchen einmal zum Standbild ihr Song "Striding
Command".
/ Weblink: Geometry Combat
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Aus dem französischen Metz stammt ein neues Cold Wave Duo, das sich Hanging Gardens nennt. Nadia B. spricht und singt im
Rahmen von lasziv und rotzig, französisch und englisch und Loïc V. ist für das Instrumentarium zuständig, das von Bandschleifen, über Keyboards bis
zu Gitarren reicht. Alles kommt dabei sehr minimal und wohl akzentuiert zum Einsatz. Kühle Elektronik trifft bittersüße Melodien, im genau richtigen
Mischungsverhältnis.
Hanging Gardens musizieren seit 2013 und in diesem Jahr soll endlich ihre Debüt EP das Licht der Welt erblicken. Wenn ich mir erste Demos im Soundcloud Kanal der Band anhöre, könnte die EP ein richtig großes Ding in der entsprechenden Szene werden. Die Demos zu "Corpus", "Exit" und "Mélaina Kole", haben es wirklich in sich. Bemerkenswert ist, dass Hanging Gardens aus dem Gefühl heraus zu arrangieren scheinen, statt auf klassische Songstrukturen zu setzen. Ja, das ist Independent Musik. Nicht auf radiotaugliche Mainstream Popproduktionen schielen, sondern sein eigenes Ding machen, was im Falle Hanging Gardens genau das Richtige ist. Der Aufbau ihres Songs "Exit" wurde dadurch einfach großartig und nur so konnte sein Finale dermaßen leidenschaftlich ausfallen. Bei einem gewöhnlichen Popsong hat man nach einer Minute ja bereits alles einmal gehört und darf sich dann an Wiederholungen erfreuen. Hier zum Hineinhören aber nicht “Exit“, sondern einmal das etwas entspanntere "Mélaina Kole".
Hanging Gardens musizieren seit 2013 und in diesem Jahr soll endlich ihre Debüt EP das Licht der Welt erblicken. Wenn ich mir erste Demos im Soundcloud Kanal der Band anhöre, könnte die EP ein richtig großes Ding in der entsprechenden Szene werden. Die Demos zu "Corpus", "Exit" und "Mélaina Kole", haben es wirklich in sich. Bemerkenswert ist, dass Hanging Gardens aus dem Gefühl heraus zu arrangieren scheinen, statt auf klassische Songstrukturen zu setzen. Ja, das ist Independent Musik. Nicht auf radiotaugliche Mainstream Popproduktionen schielen, sondern sein eigenes Ding machen, was im Falle Hanging Gardens genau das Richtige ist. Der Aufbau ihres Songs "Exit" wurde dadurch einfach großartig und nur so konnte sein Finale dermaßen leidenschaftlich ausfallen. Bei einem gewöhnlichen Popsong hat man nach einer Minute ja bereits alles einmal gehört und darf sich dann an Wiederholungen erfreuen. Hier zum Hineinhören aber nicht “Exit“, sondern einmal das etwas entspanntere "Mélaina Kole".
/ Weblink: Hanging Gardens
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Das letzte Album von The Knife im Jahre 2013 war leider dermaßen spröde verkopft, dass sich das Bedauern um die Auflösung der Band, die knapp
ein Jahr später bekannt gegeben wurde, trotz aller Pressehypes eher in Grenzen hielt. "Erfolgreich demontiert" kann man da nur sagen und festhalten,
dass The Knife von 2001-2006 wirklich Akzente setzen konnten und das auf Film gebannte Konzert, welches sie im April 2006 in Göteborg gaben,
ziemlich großes Kino ist und bleibt.
Das Seitenprojekt Fever Ray, welches eine eher düster melancholische Spielart vertritt, hat leider lange nichts mehr veröffentlicht, Das 2009er Debütalbum ist zwar dermaßen gut, dass man es immer noch gerne hört, aber etwas mehr von diesen Sounds wäre nicht verkehrt.
Für genau diese Abwechslung sorgt nun das Berliner Kunstprojekt For You Katrina. Beinahe unbemerkt legten sie vor ein paar Monaten ihr Debütalbum vor, welches der Musik von Fever Ray sehr nahe kommt. Weltmusikambiente mit viel nüchterner, aber warmer, hypnotischer Perkussion, extreme Gesangseffekte und eine düster verträumte Melancholie. Alles elektronisch, aber man wähnt sich dennoch auf einer Reise durch Tropenwald und Steppe. Stets begleitet von Gesang, der wie ein Soloinstrument eingesetzt wird und einem die Reise angenehm verkürzt. So dachte ich mit beim Hören gleich an mehreren Stellen "Der Song könnte ruhig noch drei oder vier Minuten länger sein". Das muss erst mal einer schaffen, denn sonst habe ich die Skiptaste zur Sicherheit eher gerne in Reichweite. Als Beispiel für die Musik von For You Katrina, hier einmal ihr Titel "Magdalena".
/ Weblink: For You Katrina
Das Seitenprojekt Fever Ray, welches eine eher düster melancholische Spielart vertritt, hat leider lange nichts mehr veröffentlicht, Das 2009er Debütalbum ist zwar dermaßen gut, dass man es immer noch gerne hört, aber etwas mehr von diesen Sounds wäre nicht verkehrt.
Für genau diese Abwechslung sorgt nun das Berliner Kunstprojekt For You Katrina. Beinahe unbemerkt legten sie vor ein paar Monaten ihr Debütalbum vor, welches der Musik von Fever Ray sehr nahe kommt. Weltmusikambiente mit viel nüchterner, aber warmer, hypnotischer Perkussion, extreme Gesangseffekte und eine düster verträumte Melancholie. Alles elektronisch, aber man wähnt sich dennoch auf einer Reise durch Tropenwald und Steppe. Stets begleitet von Gesang, der wie ein Soloinstrument eingesetzt wird und einem die Reise angenehm verkürzt. So dachte ich mit beim Hören gleich an mehreren Stellen "Der Song könnte ruhig noch drei oder vier Minuten länger sein". Das muss erst mal einer schaffen, denn sonst habe ich die Skiptaste zur Sicherheit eher gerne in Reichweite. Als Beispiel für die Musik von For You Katrina, hier einmal ihr Titel "Magdalena".
/ Weblink: For You Katrina
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Dark Poem ist ein Damentrio aus Antwerpen, bestehend aus zwei Musiker- und Sängerinnen, sowie einer zusätzlichen Tänzerin. Mit "Tales
From The Shades" hat es bereits in 2012 in Eigeninitiative ein Debütalbum veröffentlicht. Nun, in 2015, kommt endlich wieder etwas Bewegung ins
Schaffen. Der Song "Euphoria" vom Album wurde nochmals mit einem aktuellen Videoclip versehen und als Vorgeschmack für kommendes Material erneut ins Rennen geschickt. Dark Poem bewegen sich musikalisch im Bereich des perkussiv-folkloristisch angehauchten Siouxsie Projektes
The Creatures mit einer moderneren Goth Synthprise von Diva Destruction. Keine Clubmusik sondern eher Düsterromantik zum genießen. Ich muss
gestehen, als mir das Projekt zum ersten Mal über den Weg lief, hatte auch ich echte Vorbehalte. Der Name Dark Poem plus dem Albumtitel, ein eher
kitschiges Coverartwork, Musikerpseudonyme wie Schaduwjaagster und Drakenvleugels. Dazu noch die erfundene Stilrichtung "fairy-electro".
Kurz, arg viel Fantasy-Elemente und Goth-Klischees und ich befürchtete einen Kübel Schmalz mit Elfengesang in bescheidenster Produktionsqualität.
Das änderte sich schnell und spätestens mit dem Song "Violet Fire", mit dem sie die Gruft dann wirklich aufklappten.
Der hier folgende Clip zu "Euphoria", könnte sie auch erst einmal als flippige Girlies, die nur mal mit Gothelementen spielen wollen, erscheinen lassen. Aber, ich bin
mir sehr sicher, so einen Clip macht man mal aus Spaß, ok, aber die Musik dahinter, kann man in dieser Form nicht einfach "auch mal" machen,
wenn man kein echtes Feeling dafür hat.
/ Weblink: Dark Poem
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Nicht das vorteilhafteste Timing, aber gut, dass endlich was kommt. Seit über einem halben Jahr streamt der Musiker Boris Völt aus dem französischen Rennes in verschiedenen Kanälen bei Soundcloud seine Demosongs. Vorwiegend im Kanal namens MOdE iN gliANY. Jeder zweite neue Track entlockte ein "wow" und man fragte sich, wieso kommt denn da keine neue EP oder sogar ein Album? Und, was dann – er bringt gleich drei neue Veröffentlichungen innerhalb von nur zwei Tagen. Es handelt sich um das Album "Lent et dOulOureux", die EP "EkraNoPlanE" und die Single "I Wish To Separate".
Die EP ist leider eher mau ausgefallen und lohnt eigentlich nur (noch) wegen des wirklich guten Cold Wave Songs "JerUzHAl'em". Der flotte Synth Pop Hit "Container d'humeurs" befand sich bis vor einer Woche noch auf der EP, wurde aber nachträglich wieder entfernt. Ja, sowas gibt es nur im digitalen Zeitalter, denn alle drei Neuheiten sind leider nur als Downloadangebote erschienen. "Container d'humeurs" wird sich wohl jemand für eine Compilation, die als echte CD oder Vinyl erscheinen soll, gesichert haben. Man wird sehen.
Das Album "Lent et dOulOureux" birgt dagegen Cold Wave und Minimal Synth vom Feinsten. Nicht jeder Song ein Hit, aber mit genug gutem Material an Bord, das andere mit fünf Alben nicht zu Tage fördern.
Zum Probehören hier der Song "Die endlosbAhn", der sowohl auf der EP als auch auf dem Album vertreten ist.
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Der finale und mal wieder leicht durchgeknallte Track, der den Kopf von all dem Gehörten wieder restlos befreit, stammt diesmal von Déficit
Budgétaire. Das Cold Wave Duo bestehend aus Bertrand Genevi und Christophe Gitton hat seinen Sitz in Paris. Soeben haben die beiden
Musiker ihr Veröffentlichungsdebüt gegeben. "Sanction" heißt diese erste EP und erschien auf dem ebenfalls französischen Label Gonzaï Records.
Wir widmen uns hier aber einem ihrer Songs der bereits 2014 auf einer Compilation erschien und "Blackened Statement" heißt. Dieser wurde jüngst
von César Canali vom südamerikanischen Synth-Projekt Vólkova noch einmal nachbearbeitet und das Pariser Label Garde à Vue
veröffentlichte ihn gerade als deren erstes Release. Viele Namen? Ja, stimmt. Behalten wir einfach, es gibt eine erste EP von Déficit Budgétaire und
es gibt auch aus anderem Zusammenhang ein neues Label namens Garde à Vue. Also ein weiteres Label, das sich dem Post Punk und Cold
Wave widmet, aber auch härteren und technoiden Elektronikklängen nicht abgeneigt ist. Gut so, mehr solcher Label, bitte.
Genug erzählt, hier nun "Blackened Statement" von Déficit Budgétaire in der Fassung von Vólkova. [Clip: Epilepsiewarnung!]
/ Weblink 1: Déficit Budgétaire
/ Weblink 2: Garde à Vue
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