Das britische Quartett Solemn Sun (Im Artwork einfach als § abgekürzt) verfügt über enormes Songpotential und ursolides Handwerk. Der 13. Oktober ist der Stichtag der Veröffentlichung der Debüt EP dieser ehemals als Indiefolker `Jim Lockey and The Solemn Sun´ aktiven Band. Die punkige Lagerfeuerfolklore der früheren Tage entpuppt sich als sehr gute technische Schule und nun darf richtig gerockt werden. Die melancholische Grundstimmung ihrer Kompostionen blieb erhalten, aber aufgebrezelt mit elektrischen Gitarren erhalten diese eine ganz neue Dynamik. Nun, was man ganz bestimmt nicht neu erfinden oder mit völlig neuen Klangfarben versehen kann ist der Indie-Rock. So wird sich jeder beim Hören von Solemn Sun an einen anderen Sänger oder ein ähnliches Arrangement einer älteren Band erinnert fühlen. Auch ich habe da sofort meine Verdächtigen, wünsche aber viel Spass beim Suchen nach Vergleichen in den eigenen, ganz individuellen Erinnerungen. Dazu hier als Vorabtester der EP der Song "Josef".
/ Weblink: §
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Wiki sagt "Dark Electro bezeichnet einen auf der Grundlage der Electronic Body Music und unter Einfluss internationaler Post-Industrial-Formationen wie Skinny Puppy und The Klinik entstandenen Stil, dessen klangliche Schwerpunkte auf düsteren, partiell mehrschichtigen Flächensounds liegen. Die Vocals werden größtenteils elektronisch stark verfremdet, zumeist geschrien oder gesprochen."
Gut, dann sind wir im New York des Jahres 2014 genau richtig. Fade Kainer ist Musiker und lebt dort im Stadtbezirk Brooklyn. Sein musikalisches Kind heißt Statiqbloom und widmet sich wie bereits angedeutet der Stilrichtung Dark Electro. "Mask Visions Poison" war der Titel seiner selbst verbreiteten Debüt EP. Das Label Desire wurde auf ihn aufmerksam und wird im Oktober neues Statiqbloom Material in Form einer Split Vinyl 12" mit dem Act Zex Model nachlegen. Kainer wird darauf durch Soren Roi von der Noise Rock Band Rosenkopf unterstützt. Hier bereits vorab eine Hörprobe aus dieser kommenden 12", Statiqbloom mit dem Song "Atrophy of Three".
/ Weblink: Statiqbloom
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So richtig tief im toten Winkel schlummert der amerikanische Act Youth Code gar nicht mehr. Ein weiteres helles Licht am Ende des Tunnels birgt der Dezember, denn dann geht es als Support von Veteranen wie Skinny Puppy, haujobb und VNV Nation auf eine gemeinsame ausgedehnte US Tour. Ihr gleichnamiges Debütalbum aus dem Jahre 2013 wurde zudem mit Lobeshymnen der wichtigen Onlinemagazine überhäuft. Von "Wax Trax Industrialchaos mit Danceflooruntertönen" über "electro punk" bis zu "industrial-thrashed electronic body music" (Pitchfork Media) reichen die Einordnungsversuche des eigenwilligen und kompromisslosen Sounds von Youth Code. Als musikalische Wurzeln nennt die Band neben den frühen Wumpscut, Coil, Sleep Chamber und Skinny Puppy dann auch beinahe ausnahmslos Acts aus der rockigeren Industrialabteilung des amerikanischen Wax Trax Labels. Wenn ich mir den folgenden neuen Track des Duos vor diesem Hintergrund anhöre, könnte er wirklich prima in ein Set mit Klassikern wie "I Will Refuse" vom Wax Trax Act Pailhead und "Dying Culture" von Wumpscut passen. "Consuming Guilt" heißt der Song und wird er am 23. September im Rahmen der neuen Youth Code EP "A Place To Stand" erhältlich sein.
/ Weblink: Youth Code
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Den Geist von Post Punk und Darkwave richtig gut verstanden hat das Duo Koban aus Vancouver, wie sie mit ihrer kürzlich veröffentlichten EP "Vide" erneut beweisen. Diese lang erwartete neue Single ist das Nachfolgewerk ihres Debütalbums "Null" aus dem Jahre 2013 und bietet gleich 6 neue Songs. Kurz, knackig und temperamentvoll sind sie geraten und hauchen dem bereits seit den 80ern geliebten, unheilvollen Gitarrensound gekonnt frischen Wind ein. Erschienen ist die EP auf dem belgischen Label Weyrd Son Records in gleich zwei verschiedenen Vinylversionen. Für Leute ohne Plattenspieler ist sie im Bandcamp auch als Download zu haben.
Zum enthaltenen Song "Cool Wind" gibt es zwar einen echten Videoclip, dessen Tonspur aber leider bei Vimeo etwas verünglückt ist. Da es hier in erster Linie um Musik geht, zum Hineinhören daher lieber der Track "Delirium", zwar nur im Standbild, aber dafür unverzerrt. Wer hier Joy Division zu ihrer Frühzeit als sie sich noch `Warsaw´ nannten heraushört, liegt durchaus richtig.
Zum enthaltenen Song "Cool Wind" gibt es zwar einen echten Videoclip, dessen Tonspur aber leider bei Vimeo etwas verünglückt ist. Da es hier in erster Linie um Musik geht, zum Hineinhören daher lieber der Track "Delirium", zwar nur im Standbild, aber dafür unverzerrt. Wer hier Joy Division zu ihrer Frühzeit als sie sich noch `Warsaw´ nannten heraushört, liegt durchaus richtig.
/ Weblink: Koban
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Without You, I'm Hunting Them nennt sich ein neuer New Yorker Act, der kürzlich seine erste digitale EP sowie eine Single im Bandcamp veröffentlichte. Dort im Bandcamp werden Releases mit Tags versehen, die die Stilrichtung näher definieren
sollen. Im Regelfall kann man sich über die Hälfte oder sogar zwei Drittel dieser Tags streiten, da sie eher grob gewählt wurden und leider meist nur mit sehr viel Fantasie oder gar nicht auf das am Ende zu Hörende zutreffen.
Nicht so bei Without You, I'm Hunting Them. Was dort mit "90s dark wave; electronic; twin peaks erotic; horror soundtrack; vaporwave synth" den Düsterromantiker mit erhöhtem Anspruch aufmerksam macht, wird auch ganz genau so geliefert wie getaggt.
WYIHT kommen rein instrumental, soundtrackartig düster und shoegazig flächig daher. Ausgekleidet mit einem wuchtigen, dichten Rhythmusteppich, der mehrfach an The Cure zur 94er The Crow Zeit erinnert. Hier einmal zum Hineinschnuppern der Titel "A Full Moon On Leap Year".
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Neben Aural Sects und Tri Angle gilt Phantasma Disques als eines der hervorstechendsten und auch ältesten Label des nun fünf Jahre existierenden Musikgenres Witch House. Den Veröffentlichungsschwerpunkt bildet dort ein hauseigenes Projekt namens Mater Suspiria Vision, welches eher schwer zugänglichen und sehr experimentellen Stoff zelebriert. Der Act bewegt sich irgendwo zwischen 60er LSD Trip, 70er Giallo Film und 90er Twin Peaks Ästhetik, was man in dieser Kombination bestimmt nicht mal eben nebenbei leicht verdauen kann.
Dennoch ist der Katalog von Phantasma Disques auch für Hörer anderer Spielarten elektronischer Musik äußerst spannend. Freunde von düster rhythmischem Electro Ambient können an Acts wie Pyramids Of Mu, M‡яc▲ll▲, Micro Naps, C/∆/T und V▲LH▲LL leicht Gefallen finden und selbst für Liebhaber von Trip Hop Beats mit Dream Pop Damengesang wird zum Beispiel mit der Band Prosymna richtig hochwertiges Material geboten.
Frischester Zuwachs im Hause Phantasma ist das Projekt PSEUDO. Deren Debüttrack bewegt sich im Bereich von düsterflächigem Technotrance und Electro Ambient mit Trip Hop Beats und ist nun hier zu hören.
Dennoch ist der Katalog von Phantasma Disques auch für Hörer anderer Spielarten elektronischer Musik äußerst spannend. Freunde von düster rhythmischem Electro Ambient können an Acts wie Pyramids Of Mu, M‡яc▲ll▲, Micro Naps, C/∆/T und V▲LH▲LL leicht Gefallen finden und selbst für Liebhaber von Trip Hop Beats mit Dream Pop Damengesang wird zum Beispiel mit der Band Prosymna richtig hochwertiges Material geboten.
Frischester Zuwachs im Hause Phantasma ist das Projekt PSEUDO. Deren Debüttrack bewegt sich im Bereich von düsterflächigem Technotrance und Electro Ambient mit Trip Hop Beats und ist nun hier zu hören.
/ Weblink: Phantasma Disques
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Der vielleicht lässigste Output des Monats kommt von Carmen Incarnadine (aka Coco Carbomb) aus London. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Elektronikproduzenten Nikhil Singh (aka Witchboy) nahm sie das Album "Siamese Inside" auf, das momentan leider nur noch in Digitalform erhältlich ist.
Mir (als jemand dem Hip Hop nicht so sehr liegt) kommt sehr entgegen, daß Coco bei nur 4 der insgesamt 16 Songs die Rapperin rauslässt. Zu den anderen Titeln wechselt sie zwischen lasziver Spoken Word Stimme, wie sie Kenner noch von Algebra Suicide in Erinnerung haben könnten und flächigem Flüstern, wie man es von Chris & Cosey gut kennt. Wie soll man das
musikalische Gerüst darunter ebenfalls in Worte oder Vergleiche fassen? Vielleicht `minimaler 80er Synth Wave gepaart mit trippigen Breakrhythmen, wie man sie im 90er Dream Pop kannte´. Tiefdüster ist hier zwar nichts, aber schon sehr melancholisch. Das Ganze immer kurz und knackig. Auch der längste Track bleibt unter 5 Minuten. Im Hintergrund wagt Witchboy tollste Experimente. Beim Song "Valkyrie" zum Beispiel kreuzt er Neubauten/Foetus Sounds mit 8-Bit Chiptune Punk. Klingt verrückt im doppelten Sinne, aber Coco macht mit einer erneuten Chris & Cosey Einlage eine ultralässige Ballade daraus. In "Cop Porn" gibt es sogar das "Popcorn" Thema ("Popcorn" war 1969 einer der ersten Synthesizer Pop Hits überhaupt) in einer epischen Trashvariante. Fazit: Die Frau hat den Blues, der Mann ist sympathisch verrückt und zusammen ist das moderner, trippiger Electropop, der unterhaltsam auf Tugenden der letzten 40 Jahre Popmusik zurückgreift. Hier zum Eingewöhnen der Titel "Robot In A Red Dress".
/ Weblink: Coco Carbomb
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Wem der minimal technoide Sound des Drumcell Tracks beim letzten Mal gefiel, soll auch diesmal nicht zu kurz kommen. Der Technoklopfer des Monats stammt aus dem spanischen Zaragoza, wo das Instrumentarium von David Meiser erfolgreich verkabelt wurde. Eigentlich funktionieren solche Nummern nur im Club oder in sehr toleranter
Nachbarschaft. Bei Zimmerlautstärke kommen Nuancen dieser Minimalarrangements kaum zum Tragen und ein Kommentar wie "Da wummert irgend etwas monoton und langweilig vor sich hin" ist durchaus nicht unberechtigt. Wer aber über gute Kopfhörer und genügend Volume-Ressourcen verfügt kann da Abhilfe schaffen, sich hier eine echte Dröhnung holen und wird auch die Steigerungen innerhalb des Tracks erkennen.
Hier also nun David Meiser mit "Machines Are Alive", erschienen als 12" Vinylsingle Debütrelease des spanischen Labels Subspecies und ab dem 1. September auch im Bandcamp als Download erhältlich.
Eines noch, dem Clip fehlt die Epilepsiewarnung, diese sei nun hier nachgeholt: "Bei manchen Personen kann es in besonderen Fällen zu epileptischen Anfällen oder Bewusstseinsstörungen kommen, wenn sie bestimmten Blitzlichtern oder Lichteffekten ausgesetzt sind. Diese Personen sollten sich diesem Clip nicht direkt aussetzen."
Hier also nun David Meiser mit "Machines Are Alive", erschienen als 12" Vinylsingle Debütrelease des spanischen Labels Subspecies und ab dem 1. September auch im Bandcamp als Download erhältlich.
Eines noch, dem Clip fehlt die Epilepsiewarnung, diese sei nun hier nachgeholt: "Bei manchen Personen kann es in besonderen Fällen zu epileptischen Anfällen oder Bewusstseinsstörungen kommen, wenn sie bestimmten Blitzlichtern oder Lichteffekten ausgesetzt sind. Diese Personen sollten sich diesem Clip nicht direkt aussetzen."
/ Weblink: Subspecies
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Die Stroboskopgefährdeten können sich nun wieder entspannen und dies sogar völlig, denn der nun folgende Clip besteht lediglich aus einem schwarzen Standbild. Mit monotonem Sound ist es ebenfalls vorbei, denn der folgende Song ist vom Aufbau her der vielleicht cleverste düsterromantische Electrotrack der letzten Monate.
Ich mag das Wort "genial" nicht sonderlich, aber um das Timing zu beschreiben, wo und wie lang hier Pausen gesetzt wurden, will mir gerade kein anderer Begriff als "genial" einfallen. Hat was von gutem Sex, auch mal ein wenig in der Ungewissheit, ob da noch mehr kommt flehen lassen und dann wieder weiter, mit noch gesteigertem Nachdruck. Aber ich will diesen Vergleich jetzt nicht noch weiter vertiefen.
Ich mag das Wort "genial" nicht sonderlich, aber um das Timing zu beschreiben, wo und wie lang hier Pausen gesetzt wurden, will mir gerade kein anderer Begriff als "genial" einfallen. Hat was von gutem Sex, auch mal ein wenig in der Ungewissheit, ob da noch mehr kommt flehen lassen und dann wieder weiter, mit noch gesteigertem Nachdruck. Aber ich will diesen Vergleich jetzt nicht noch weiter vertiefen.
Wenn man das schwarze Standbild und die kryptische Titelbeschreibung des Clips betrachtet, könnte man fast annehmen, da will sogar jemand ganz gezielt im Untergrund verweilen. Aber was solls, wir sind ja hier unter uns. Also sei verraten, Ryan Vail ist der irische Songwriter und Musiker der den Originaltitel "Free" komponierte und JoeFarr heißt der Mann aus der Technoszene, der den Track mit einigen zusätzlichen musikalischen Kniffen versah. Kurz: Hier nun zum Abschluß Ryan Vail - "Free" im JoeFarr Remix.
/ Weblink: Ryan Vail
