Dunkelhäutige Musiker im Post Punk oder Synth Wave wirken gestern wie heute stets doppelt exotisch, da die Schubladen in den Köpfen einem schon sehr schnell seltsame Streiche spielen können.
MTV-verseucht fürchtet man beinahe, "der in echt Schwarze" könnte im nächsten Moment zur Rap-Attacke ausholen oder eine funky Tanzchoreografie starten. Wir erinnern uns, wie die Band O.Children mit "Ruins" im Jahre 2010 einen kleinen Szenehit hatte und einem vielleicht ungewollt ein blasser, krank aussehender Ian Curtis im Kopf herumspukte, der ein verwaschenes Joy Division Shirt mit dem Randaufdruck "Hier stimmt was nicht" trug.
Nun gibt es jedenfalls einen neuen Überraschungshit namens "A World I Didn't Know", der vom Künstler Dave.i.d stammt und beim Ansehen des Clips kann sich ja jeder einmal selbst fragen, ob ich hier klischeebehafteten Unsinn schreibe oder es jemandem ähnlich seltsam ergeht.
Der Song ohne Clip könnte jedenfalls beinahe eine Fortsetzung des großartigen Lars Falk (Twice A Man) Soloalbums aus dem Jahre 1988 sein, welches über jeden Zweifel erhaben ist. Schon sehr dick aufgetragen und pathetisch, aber immer gekonnt souverän am echten Kitsch und Popschmalz vorbeigesteuert - die ganz große Kunst also.
/ Weblink: Dave.i.d
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/ Weblink: edit August: Leider nicht mehr aktiv
Kruxldust aus Sydney machen Electro-Industrial. Ihr Sound weckt denn auch Erinnerungen an die guten früheren Veröffentlichungen ihrer Landsleute von Angel Theory, zu denen sich dann auch noch Eindrücke von zum Beispiel dem kanadischen Act Headscan gesellen. Hypnotisch treibender Electro-Industrial, frei von Gitarrensamples - schön unamerikanisch halt. Da es Headscan nicht mehr gibt und Angel Theory leider die Ideen ausgingen, also eine willkommene Ergänzung dieses beinahe vergessenen musikalischen Bereiches.
An Repertoire mangelt es aber auch dieser Band leider noch und die älteren Tracks in ihrem Soundcloud Kanal, sollte man eher als erste Experimente mit neuen Gerätschaften, denn als Songs ansehen. Falls ihnen in Zukunft aber mehr Material in Richtung des hier hörbaren "Pretty in Black" gelingt, könnte das Debütalbum in der Tat etwas richtig hübsches mit ordentlich Triebkraft werden, das wie gesagt momentan neben schlageresker Synthiepop Partymucke und ödem Gebrülle ohne echter Musik dahinter, etwas im Aussterben begriffen scheint.
An Repertoire mangelt es aber auch dieser Band leider noch und die älteren Tracks in ihrem Soundcloud Kanal, sollte man eher als erste Experimente mit neuen Gerätschaften, denn als Songs ansehen. Falls ihnen in Zukunft aber mehr Material in Richtung des hier hörbaren "Pretty in Black" gelingt, könnte das Debütalbum in der Tat etwas richtig hübsches mit ordentlich Triebkraft werden, das wie gesagt momentan neben schlageresker Synthiepop Partymucke und ödem Gebrülle ohne echter Musik dahinter, etwas im Aussterben begriffen scheint.
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Eine weitere interessante Formation der Sparte Düsterelektronik alter Schule trägt den Namen [product]. Diese sitzt in Portland, lässt im Ruhrgebiet mastern und holt sich Remixer aus den Industrial- und Witch House-Lagern (z.B. Sidewalks & Skeletons) ins Boot. Das nenne ich doch mal weltmännisch mit musikalischem Weitblick. Die kürzlich erschienene EP "Her Ghost" klingt daher trotz vieler gleichlautender Titel in der Playliste richtig spannend und abwechslungsreich. In den frühen 90ern wäre so eine Veröffentlichung sicherlich beinahe Standard im Dark Elektro Sektor gewesen, aber heute muss man den Sound wirklich suchen. Das Label Electro Aggression Records hat zwar immer einmal wieder richtig großartiges Material parat, aber deren Releasekalender ist bislang leider noch etwas arg dünn, gemessen an dem,.was sich früher im elektronischen Fachbereich für flächige Düstersounds so alles tat. "To The Wind" (Chant) nennt sich diese Nummer hier, mit dem guten, alten Mentallo & The Fixer Einschlag.
/ Weblink: [product]
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/ Weblink: Deth Records
Was feiert man diesen Monat im Witch House? Eine neue S†NS Single, die es vorab auf dem Sampler "Deth Records Vol.1" zu hören gibt. Als Musikkassette in einer limitierten Auflage von 50 Stück gefertigt, hat die Kopplung des namengebendem kanadischen Labels somit schon mal beste Chancen irgendwann ein teures Kultobjekt zu werden.
Der S†NS Song, nun ja, schön düster verträumt, minimal und hypnotisch, die Gastsängerin vom Duo Vierance - welches auch mit einem eigenen neuen Track auf der Kopplung zu finden ist - gibt S†NS einen ordentlichen Schub Richtung CRIM3S. Doch machen wir uns nichts vor, an ihr Album "I Die" aus dem letzten Jahr oder gar ihren Hit "No Future" aus 2012 kommen S†NS damit nicht heran.
Aber da man Hits eh nicht am Fliessband produzieren kann, sage ich abschließend lieber vielleicht etwas gönnender "Kein eigener Meilenstein, aber dennoch lang besser als tonnenweise gehyptes neues Zeugs aus der Pop-Ecke (Geh spielen Robyn und triller brav deine Liedchen), darum jetzt und hier `Red Woman´, der neue Track von S†NS".
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Galakthorrö gehören zu den kleinen, echten Indie Labeln, die sich anstatt über irgend ein Branchensterben zu sinnieren, einfach darauf konzentrieren, regelmäßig möglichst gute Musik auf MC, Vinyl und CD zu veröffentlichen. Gut bedeutet dabei dem Zeitgeist gemäß und sorgt im Falle Galakthorrö dafür, dass die mit viel Liebe gemachten Tonträger völlig verdient wie geschnitten Brot gehen und zumeist bereits binnen weniger Tage vergriffen sind. Hier stellen sich gar nicht erst Fragen wie "Hast Du ..?" oder "Kennst Du ..?", sondern eher "Welche Auflage davon besitzt du?".
te/DIS, Haus Arafna und Herz Jühning sind einige der Künstler dieses Labels. Angst Pop, Cold Wave, Post-Industrial und Synth Wave sind die Bereiche in denen sie momentan veröffentlichen und "To The Stars" heißt der Titel von Herz Jühning, den es hier einmal zu hören gibt.
/ Weblink: Galakthorrö
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Etwas wirklich herausragend Neues im Bereich des gitarrendominierten Post Punk und Darkwave zu finden, gestaltete sich diesmal etwas schwierig. Bands wie All Your Sisters, Infidel, Crystal Night, The Rip, Promise, Koban, Ash Code, The Thing Invisible, Vanish und People Of Nothing - um nur einige Hörenswerte mit aktuellem Material zu nennen - haben zwar wirklich Potential und auch den richtigen 80er Spirit, aber ein "Toll, klingt wie früher!" reicht ja nun leider auch nicht aus, weil ein Früher gibt es ja bereits. Zugegeben, schon eine enorm harte Konkurrenz, diese 80er, wenn man sich heute genau dem Sound widmet, der in ihnen erfunden und schon sehr ausgiebig praktiziert wurde. Aber - wie gesagt - verkehrt ist das alles nicht und ein Sampler mit dem jeweils besten Track oben genannter neuer Veröffentlichungen, könnte sogar ein echter Knaller sein, gar keine Frage. Lediglich auf Albumlänge schleicht sich leider gerne recht schnell dieser "Hübsch, aber schon mal besser gehört" - Effekt ein.
Als Ersatz gehe ich also lieber einfach ein paar Monate zurück, zu dem, was mich im Bereich Post Punk durch seine Frische und Rotzigkeit zuletzt so richtig vom Hocker gehauen hat: Die 2013er Debüt 7" Single "Eagle Of The Road" der Dead Ramones - Vielleicht auch in der Hoffnung, dass von deren Seite langsam auch mal was Neues nachrückt. Als Fazit, dann vielleicht besser einfach eine weitere gute Single, als ebenfalls ein Album mit Längen.
/ Weblink: Dead Ramones
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/ Weblink: Kline Coma Xero
"Warm Leatherette", "Accidents In Paradise" und "Photographic" sind nur drei Beispiele dafür, dass Tracks wie sie kaum einfacher gestrickt sein können, seit 30 Jahren konstant in den Playlisten der "Schwarze Szene DJs" auftauchen. Man könnte nun philosophieren, ob diese sehr minimal gehaltene Form des Synth Pop aus Anfang der 80er bereits der Vorläufer des 90er Techno war, aber wozu? Minimal Synth Wave hat eh alles überlebt und scheint ob seiner Schlichtheit beinahe so alltäglich geworden zu sein wie der simple Song zur Akustikgitarre.
Circa Tapes, Linea Aspera, Minuit Machine, Silent EM, Pressures, Animal Bodies, Figure Study, L'Avenir oder auch einfach nur mal Y, nennen sich moderne Vertreter dieser Spielart. Fast monatlich kommen neue Künstler hinzu. Ein Hörbeispiel dafür zu finden, wie dieser Sound nun 2014 so gar nicht anders als früher klingt, ist recht einfach: Das amerikanische Label Medical Records veröffentlicht gerade das Debütalbum des Acts Kline Coma Xero. Für den darauf enthaltenen Song "Left Behind" gibt es auch einen Clip, der nun hier folgt und mit dem wir dann zumindest optisch beinahe wieder zurück bei "Warm Leatherette" sind.
Circa Tapes, Linea Aspera, Minuit Machine, Silent EM, Pressures, Animal Bodies, Figure Study, L'Avenir oder auch einfach nur mal Y, nennen sich moderne Vertreter dieser Spielart. Fast monatlich kommen neue Künstler hinzu. Ein Hörbeispiel dafür zu finden, wie dieser Sound nun 2014 so gar nicht anders als früher klingt, ist recht einfach: Das amerikanische Label Medical Records veröffentlicht gerade das Debütalbum des Acts Kline Coma Xero. Für den darauf enthaltenen Song "Left Behind" gibt es auch einen Clip, der nun hier folgt und mit dem wir dann zumindest optisch beinahe wieder zurück bei "Warm Leatherette" sind.
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Die griechische post-industrielle Düsterküche von Ars Nocturna veröffentlichte kürzlich das Debütalbum von Conjecture. Einigen Genießern der dröhnend-dystopischen Dark Ambient
Gastronomie könnte Chefkoch Vasilis Angelopoulos bereits unter dem
Chiffre Self Mutilator und durch seine Arbeiten mit Gas Masked Lestat
bekannt sein. Bei Post Rockern klingelt es vielleicht beim Bandnamen We
Came From Waters.
Sehr minimalistisch - oder nennen wir es besser
auf das Wesentliche beschränkt - und natürlich rein instrumental geht es
auf dem Conjecture Album zu. Wuchtige Drums, treibende Flächen und
immer genau ganz knapp bevor man denken könnte "Ambient,
laaangweiliiig", setzen Chöre (nein, jetzt keine Opernchöre, sondern
elektronische String Sounds, aber halt die ganz breiten und düsteren)
ein, die das Ganze von Anfang bis Ende spannend halten. Hier
"Yojimbo" - der abschließende Track des 11-Gänge Menüs in einer Interpretation des französischen Industrial Noise Projektes Lith.
/ Weblink: Conjecture
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Es gibt Leute mit Depressionen, denen Musik in tiefdüsterem Ambiente hilft, sich nicht alleine zu fühlen und ihre Gefühle durch die Klangkulisse verstanden und passend umgesetzt wissen. Dann gibt es aber auch Leute, die solche Musik noch weiter herunterzieht. Letztere sollten zu ihrer eigenen Sicherheit unbedingt die Finger von Veröffentlichungen des Actes TeHÔM lassen. Schwermütig organisch gurgelnd und zäh kriecht auch das neue Album "Lacrimae Mundi" aus den Lautsprechern und degradiert die Soundtracks zu den meisten Horrorfilmen als netten aber kläglichen Versuch.
Freunden von Acts wie Lustmord und In Slaughter Natives muss man TeHÔM aus Kroatien nicht erst vorstellen, aber falls jemandem das Dark Ambient Gebiet noch neu ist, bietet "Lacrimae Mundi" einen vielleicht etwas leichteren Zugang als die genannten Klassiker, weil es darauf trotz aller tiefer Düsterkeit noch nicht ganz so exzessiv ausschweifend zugeht. Hier der Titel "Abyss".
/ Weblink: TeHÔM
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Kurz sanft eingenickt? Da gibt es Abhilfe, denn bereits im Jahre 2004 gründete der eigentlich aus der Industrial- und Punk-Szene stammende Moe Espinoza in Los Angeles das Label Droid Records auf dem dann auch seine erste stampfende Drumcell 12" ein Zuhause fand. Gerne wird der Act mit Drumcode, dem schwedischen Label von Adam Beyer verwechselt. Gar nicht mal so tragisch, denn auch dort sind Dark Tek Brutalo Beats, die mit slow-mo Acidlinien und metallisch klirrenden Industrialsounds angereichert wurden keine Seltenheit. Nach Stapeln (im Plural, wenn man seine über 30 Remixe für andere mit einbezieht) von zum Teil äußerst kultigen 12"s landete Drumcell letztlich beim Frankfurter Schranzexperten Chris Liebing und auf dessen CLR Label. Also erst im letzten Jahr erblickte das überhaupt erste Drumcell Album mit dem Titel "Sleep Complex" das Licht der Welt. Das Video zu dem darauf enthaltenen Track "Disturbance" schenken wir uns hier, weil selbst der letzte Technohasser dieses Kunstwerk mittlerweile gesehen haben dürfte. Stattdessen hier ein Fanclip zu einer aktuellen Remixarbeit, die - wie üblich - vom Originaltrack kaum noch etwas erahnen lässt und stattdessen zur einer treibenden Drumcell mutierte. Am besten richtig laut machen und sich - wie im Clip gut zu sehen - von den Drums einfach mal wegschießen lassen.
/ Weblink: Drumcell
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